Schubart-Literaturpreis

Jeder Autor braucht vier Eigenschaften

60 Jahre nach seiner Stiftung vergab die Stadt Aalen im Rahmen einer festlichen Matinee am Sonntag, 15. März, den Schubart-Literaturpreis im Gedenken an den großen Sohn der Stadt: Christian Friedrich Daniel Schubart. In der vollbesetzten Stadthalle konnte Oberbürgermeister Thilo Rentschler zahlreiche Vertreter aus der Politik und der Bürgerschaft begrüßen. Zwei Frauen wurden dieses Jahr ausgezeichnet: Katja Petrowskaja erhielt den mit 15.000 € dotierten Hauptpreis und Förderpreisträgerin Karen Köhler konnte 5.000 Euro Preisgeld entgegennehmen.

Oberbürgermeister Thilo Rentschler mit der Förderpreisträgerin Karen Köhler, Verena Auffermann und Carl Trinkl, Vorstand der Kreissparkasse Ostalb
Oberbürgermeister Thilo Rentschler mit der Förderpreisträgerin Karen Köhler, Verena Auffermann und Carl Trinkl, Vorstand der Kreissparkasse Ostalb (© Peter Schlipf)

Mit dem Zitat Schubarts  „Jeder Autor braucht vier Eigenschaften. Neben Genie und Urteilskraft sind das Sprachstärke oder Wortwitz sowie ein glänzendes Gedächtnis“,  stimmte Oberbürgermeister Rentschler auf die folgenden Laudationes für die beiden Preisträgerinnen ein. Sehr anschaulich beschreibe Schubart den schriftstellerischen Prozess, das Ringen des Autors mit dem Stoff, damit seine Botschaft auch den Leser erreiche, zitierte der Oberbürgermeister das Multitalent Schubart, der in seinem „Poetischen Glaubensbekenntnis“ dieses Anforderungsprofil für die Schriftstellerei festgelegt hatte.

Rentschler dankte der Jury für ihre Arbeit und bescheinigte den Mitgliedern eine intensive und engagierte Diskussion zur Preisträgerfindung. "Zum Glück geht es in dieser Jury nicht zu wie bei einer Casting-Show! Statt knapper Statements wird intensiv diskutiert und argumentiert", konnte der Oberbürgermeister von den Jury-Sitzungen berichten.

Er betonte in seiner Begrüßung die lange Tradition und die Bedeutung des Literaturpreises, der bereits 1955 gestiftet wurde und zählte einige der wichtigsten Preisträger auf, wie zum Beispiel Peter Härtling, Alice Schwarzer, Ralf Giordano oder zuletzt Jenny Erpenbeck.

Laudationes

Die Berliner Literaturkritikerin Verena Auffermann hielt die Laudationes für beide Preisträgerinnen. Mit ihrer wunderbar klaren und sehr schönen Sprache schaffte sie es die beiden Autorinnen, deren Persönlichkeiten und Arbeiten,  hervorragend zu charakterisieren. Fast schon poetisch schilderte sie ihre Begegnung mit Katja Petrowskaja. Sie lobte das preisgerkönte Buch der Autorin „Vielleicht Esther“ als ein modernes Geschichtenbuch.  „Wie kann man die Vergangenheit besser am Leben halten, als durch die unabgeschlossene Gegenwart, die Katja Petrowskaja ihr gibt?“, fragte sie in ihrer Laudatio.

Die Förderpreisträgerin Karen Köhler ist in Aalen keine Unbekannte mehr. Schon im Februar war sie bei einer Podiumsdiskussion beim Theater der Stadt Aalen zu Gast. Die junge Autorin, die eine anerkannte Bühnenautorin ist und lange Jahre auch als Schauspielerin tätig war, wurde von der Jury für ihr Buch „Wir haben Raketen geangelt“ ausgezeichnet. Ein schockierendes, mutiges, aufrührendes, aber auch anrührendes und versöhnliches Werk, wie Auffermann in ihrer Laudatio anmerkte.
Die neun Kurzgeschichten seien in ihrer Radikalität und Tragik kaum zu überbieten, dennoch sei „Wir haben Raketen geangelt“ kein trauriges Buch.

Auffermann dankte und gratulierte der Förderpreisstifterin, der Kreissparkasse Ostalb und ihrem Vorstand Carl Trinkl zur Preisträgerin. „Die Kreissparkasse Ostalb hat nun ein Überlebensbuch für ihre Kunden.“

Mit ihrer anschließenden Dankesrede bewies Karen Köhler ihr Sprachgenie und ihren Wortwitz und bedankte sich für die Unterstützung, das Geld ermögliche ihr mehr Zeit für das Schreiben zu erübrigen.
Der Festakt wurde musikalisch sehr schön umrahmt vom Cello-Quintett „Cellikatessen“.